Zur Rubrik `Meine Gedanken`

Training beginnt und endet nicht mit der An- und Abgrüßung auf der Matte.

Es ist ein immerwährender, fortlaufender Prozess, der einen auf jedem Schritt zu jeder Minute begleitet, im Alltag, auf der Arbeit und auch in jedem Moment der Freizeit.

Annähern nach jeder abgeschlossenen Trainingseinheit auf der Matte verbleiben wir noch im Dojo und unterhalten uns, manchmal noch über Stunden, über Themen die uns gerade bewegen, die `dran` sind. Meist geschieht dies erst, wenn alle Anderen bereits nach Hause gegangen sind, denn viele Themen beziehen sich auf das aktuelle Training, die Vorplanung für die nähere und weitere Zukunft des Dojo und natürlich gibt es fast immer in irgendeiner Art eine Manöverkritik für die letzte Einheit.

Die Gespräche sind meist sehr tiefgründig und helfen uns selbst dabei, unsere Kampfkunst besser zu verstehen und damit auch den Schülern die Möglichkeit zu geben, mehr zu erfahren, als den reinen technikbasierenden Anteil.

Im Rahmen dieser endlosen Stunden, die wir mit philosophischen aber durchaus auch sehr nüchternen Betrachtungen verbracht haben, erwuchs der Gedanke, die gewonnenen Erkenntnisse auch in schriftlicher, geraffter Weise, den Schülern zugänglich zu machen.

Daraus entwickelte sich die Idee der Rubrik `Meine Gedanken`, die zunächst ausschließlich den Schülern des Dojo, als Download zur Verfügung gestellt werden sollte.

Veränderungen auf der Homepage des Dojo und die Einführung eines Blogs führten zur Überlegung, die Artikel – und es handelt sich mittlerweile um eine ganze Anzahl von Schriftstücken – auch im Blog zur Verfügung zu stellen.

Es gibt sicher das eine oder andere Thema, dass Trainierende auch außerhalb des Dojo interessiert und möglicherweise dazu bewegt, sich selbst einmal Gedanken darüber zu machen.

Die allgemeine Veröffentlichung war eigentlich nicht geplant und war auch nicht in unserem Sinne. Aber wie es nun mal im Zeitalter der modernen Medien üblich ist, dauert es meist nur kurze Zeit, bis das eine oder andere Schriftstück, das nur dojointern Verwendung finden sollte, auch den Weg in die Öffentlichkeit findet, und im Bujinkan sind die Wege immer besonders kurz, wie sich bereits im Bezug zu anderen Schriftstücken von uns gezeigt hat.

Jedes Schreiben, jede Aussage birgt immer ein besonderes Risiko.

Häufig werden Abschnitte, Textpassagen oder Aussagen, völlig aus dem jeweiligen Kontext herausgerissen, an anderer Stelle vorgetragen und verursachen so Verwirrung oder Unverständnis, bis hin zur offenen Aggression. Gerade in der Politik kann man das sehr gut beobachten. Der beste Weg einen politischen Gegner mundtot zu machen, oder ihn zu verunglimpfen besteht ja darin, irgendeine Aussage, die er vielleicht vor zwanzig Jahren mal zu einem Thema geäußert hat, und sei es im Rahmen eines Besäufnisses auf der Kirmes, heute im aktuellen Wahlkampf zu zitieren und ihn damit in ein schlechtes Bild zu rücken, auch wenn die Umstände sich völlig verändert haben.

Es wird in unserer Gesellschaft leider viel zu wenig akzeptiert, dass sich im Laufe von Jahren die Einstellungen zu bestimmten Dingen verändern, sei es aus dem Grund, dass sich die Umstände verändert haben, oder das sich der Blick darauf anders darstellt, weil sich die Richtung aus der man nun die Sachlage beurteilt eine andere ist.

Einmal gesagt, für immer fest zementiert.

Dieser Umstand macht es nötig einen Artikel zu schreiben, über meine Gedanken zu `Meine Gedanken`.

Zunächst wurde nicht umsonst der Name `Meine Gedanken ` gewählt. Es handelt sich nämlich genau um das, meine bzw. unsere Gedanken.

Es müssen also nicht `eure Gedanken` werden, sondern es sind unsere.

Diese Rubrik erhebt auch in keiner Weise den Anspruch, dass diese Gedanken richtig oder unumstößlich sind. Es ist sogar als ziemlich wahrscheinlich anzusehen, dass ein Großteil der Leute im Bujinkan den einen oder anderen Sachverhalt völlig anders sieht und bewertet.

Das macht weder unsere, noch deren Ansicht falsch, oder eben richtig. Auch behalten wir uns natürlich die Freiheit vor, dass sich unsere Gedanken / Ansichten im Laufe von Zeit ändern, also unser Blickwinkel ein anderer wird.

Ich möchte also wirklich ausdrücklich betonen, das alles, was in dieser Rubrik geschrieben wurde und wird, ausschließlich unsere Gedanken, Beobachtungen und Feststellungen sind, in der akuten Phase unseres Seins und im Moment der aktuellen Wahrnehmung.

Sinn und Zweck soll auch nicht sein, ein Thema in eine offene Diskussion zu stellen und zu erwarten, dass dieses auf breiter Basis erörtert und kommentiert wird. Daher ist die Kommentarfunktion bei einigen Beiträgen deaktiviert.

Es geht vielmehr darum, auf den einen oder anderen Umstand hinzuweisen, damit sich der Leser selbst damit auseinandersetzen kann.

Dabei könnte es unter anderem zu folgenden Reaktionen kommen:

Der Leser könnte:

  • das Geschriebene reflektieren, als richtig erkennen, in sein Weltbild integrieren und soweit es ihm möglich ist, Änderungen vornehmen, die seinen ´Weg des Budo` optimaler gestalten.
  • sich persönlich angegriffen, oder vielleicht ertappt fühlen. Vielleicht erkennt er seine eigenen Unzulänglichkeiten und der Widerstand diese zu verändern verstärkt sich. Dadurch wird sich dann seine innere Wut auf uns fokussieren und wir werden uns einer größeren Anzahl von Beschimpfungen gegenüber sehen.
  • das Geschriebene als unwichtig wahrnehmen und sich bei der Lektüre gelangweilt fühlen. Vielleicht erkennt er, dass er mit den angesprochenen Umständen nicht in Resonanz geht und es keine Notwendigkeit gibt, seinen Blickwinkel zu verändern.
  • alles als völligen Unsinn abtun, als Geschmiere von zwei völligen Idioten, die ohnehin keine Ahnung vom Leben und insbesondere vom Bujinkan haben.

Ich halte es für durchaus möglich, dass sich im Laufe von Zeit einige Buyu`s von uns verabschieden werden, weil sie das, was wir in dieser Rubrik so schreiben werden, nicht nachvollziehen können. Dieser Umstand ist uns aber bewusst und sowieso Teil des Bujinkan im Allgemeinen.

Es ist auch nicht nötig, jedem zu gefallen und everybodys Darling zu sein.

Ich gebe zu, dass die eine oder andere Formulierung durchaus etwas, nennen wir es mal: provokant, gewählt ist. Das ist natürlich absichtlich so.

Der Sinn der Rubrik liegt ja darin, dass der geneigte Leser mit dem Geschriebenen in Resonanz geht, also dass irgendetwas darin sein Gemüt bewegt und er im günstigsten Fall beginnt, über den Inhalt zu philosophieren.

Um diese Resonanz aber zu erreichen macht es durchaus Sinn, hier und da mal einen etwas schärferen Ton anzuschlagen, damit das Hirn in Bewegung kommt.

In gar keinem Fall, und das ist uns extrem wichtig mitzuteilen, geht es darum, bestimmte Personen persönlich anzugreifen oder zu verletzen. Es geht ausschließlich darum, auf bestimmte Umstände hinzuweisen, mit der liebevollen Hilfestellung seinen eigenen Gedanken- und Verhaltenshorizont zu erweitern bzw. zu verändern.

Im Laufe von so vielen Trainingsjahren mussten wir unser eigenes Weltbild immer wieder in Frage stellen und an die aktuellen Umstände anpassen.

Und wir tun es immer noch. Jeden einzelnen Tag. Und wir scheuen uns nicht davor, das gesamte Glaubenssystem, dass wir heute als unser eigenes erkennen, morgen schon in die Mülltonne zu werfen, wenn wir zu besseren Erkenntnissen kommen.

Hat das etwas mit Labilität zu tun? Nein, ganz sicher nicht, sondern mit Anpassung an neue und veränderte Umstände. Genau das zeichnet das Bujinkan aus: ständige Anpassung an die aktuellen Umstände.

In diesem Sinne hoffen wir, dass es uns gelingt, den einen oder anderen Leser zu bewegen, in Aufruhr zu versetzen, in Resonanz zu bringen und soweit nötig Anpassungen machen zu lassen. Nochmals mit dem Hinweis versehen, dass es `unsere Gedanken` sind und nicht eure werden müssen oder sollen.

Also viel Spaß beim Lesen in der Rubrik Meine Gedanken